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Tragik und Verwechslung.

Der Herbst kommt. In meinem Kopf kündigte er sich schon seit längerem an. Es stellt sich meine typische Unzufriedenheit ein, diesmal aber stärker als üblich, was sicherlich daran liegt, dass es diesmal mehr Dinge gibt, mit denen ich unzufrieden sein muss.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ich mindestens zwei Leute nennen kann, denen es ganz ähnlich geht. Da schaut man schon nach Parallelen, findet aber eigentlich nur wage Gemeinsamkeiten. So köchelt jeder sein eigenes Süppchen das es in der regnerischen Jahreszeit auszulöffeln gilt.

Mir kommt das Wetter sehr gelegen. Es regnet, und es ist kalt geworden. So kann ich einerseits wieder gut schlafen, und andererseits mich ganz und gar meiner Reflektion hingeben. Gestern Abend habe ich mich am Sachsenhäuser Ufer rumgetrieben, bin bis zum Schaumainkai 71 durch den Regen spaziert und ins Liebieghaus gegangen, um mir dort die Ausstellung Launen des Olymp anzusehen. Wenn es mir nicht gut geht, gehe ich gerne in eines der kleineren Museen am Museumsufer um dort diese unbeschreibliche Unaufgeregtheit zu spüren. Die Skulpturensammlung ist für mich viel besser zum Abschalten und Nachdenken geeignet als eine Gemäldeschau. Das Material und die plastischen Darstellungen kann ich mir dort stundenlang aus der Nähe ansehen, ohne auch nur einmal jemandem aus dem Weg gehen zu müssen. Außerdem ist das Gebäude ganz großartig mit dem schönen Garten und dem Kiesweg; gestern in der Dämmerung und dem Regen kommt das alles zur Vollendung.

Ich habe mich eine gute Stunde lang einer Führung durch die Sonderausstellung angeschlossen, was teilweise etwas anstrengend, aber doch sehr interessant und erbaulich war. Die Antike reizt mich schon immer; ich denke nun könnte ich auch besser formulieren warum das so ist. Anschließend bin ich noch etwas abwesend durch die ständige Ausstellung geschlichen, ohne sonderlich aufmerksam zu sein. Tausend Sachen gingen mir durch den Kopf, und ich war froh so alleine im Museum zu sein. Ich blieb bis zur Schließung und fuhr nach Hause durch den Regen. Ich bin ein Tragiker. Besonders im Herbst.

Eine Reaktion zu “Tragik und Verwechslung.”

  1. paracuda

    Herbst, Regen, Spaziergang, Museum - sowas rundet man am besten mit einem heißen Bad ab.

    Tragiker sein im Herbst, das ist eine schöne Sache. Lachen kann man im Sommer, leiden kann man am besten bei Erdtönen und grauen Himmel. Manchmal macht es dann sogar richtig Spaß, auch wenn man schnell wieder daran erinnert wird, warum man eigentlich so nachdenklich ist.

    Dafür liebe ich unseren Hafen hier. Da kannste wirklich immer hingehen, zu jeder Tages- und Jahreszeit. Dann kann man sein Herz ausschütten in die alte Dame, die Elbe.

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