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Schlechter Scherz.

Gedacht war das Ganze sicherlich als imagefördernder Marketingcoup. Eintracht Frankfurt stellte nicht nur die Gestaltung des zukünftigen Auswärts- und Ausweichtrikot zur Wahl, nein die Fans dürften sogar eigene Vorschläge einreichen.

Was für den naiven Stadionbesucher nach einer freundschaftlichen Geste aussehen mag, ist natürlich pures Kalkül. Logisch ist, dass ein von den Fans (also den Käufern) gestaltetes und gewähltes Trikot besser über die Theke geht, als eines von der Stange. Ein so entstandener Merchandiseartikel bringt sicherlich mehr Zählbares in die Kasse. Vielleicht (oder außerdem) wollte der in Fankreisen nicht wirklich akzeptierter Ausstatter auch einfach nicht schon wieder die Buhmannrolle des Gestalters übernehmen. Begleitet wurde die Wahl von hitzigen Diskussionen, die sich heute als nicht ganz unbegründet erweisen sollten …

Gerade wurde die Entscheidung öffentlich, und offenbart wie unprofessionell ein millionenschweres Unternehmen (Eintracht Frankfurt), zumindest was das Marketing angeht, tatsächlich sein kann. Nachdem die Wahl abgeschlossen, und eine der 16 Gestaltungsvarianten gewählt worden ist, darf diese nicht umgesetzt werden.

Die Gestaltung (ein Querstreifen über die Brust und ein nach unten spitz zulaufender Längsstreifen vom Kragen bis zum Bund = zwei sich kreuzende Linien) bilden, so wörtlich: “ein religiöses Symbol”. Da Inter (Mailand, Anmerkung der Redaktion) mit einem ähnlichen Trikot in der Champions League deswegen “scharf kritisiert” worden sei, hat sich der Verein entschieden die Umsetzung des gewählten Entwurfs nicht zu gestatten.

Abgesehen davon, dass diese Argumentation sicher diskussionswürdig ist, fragt man sich natürlich warum die Einsicht erst nach der Abstimmung kam. Der Gestaltungsvorschlag wurde während der Wahl nicht mehr verändert – es war also von Anfang an klar, dass ein Trikot zur Wahl steht, dessen hauptsächliches Gestaltungselement durchaus als Kreuz zu interpretieren ist.

Nächster Fehler: Diese eigene Unfähigkeit noch lauthals via Stadionmagazin verkünden zu lassen: Man habe sich “nach reiflicher Überlegung … Im Nachhinein” für das “zweite Siegertrikot” entschieden. Hallo? Fans verarscht, sich selbst geschadet. Unabhängig wie viel von dieser Farce bis an die breite Besuchermasse des Waldstadions dringt, dürfte der Imageschaden schon eine gewisse Größe haben.

Und das neue Trikot? Unser zukünftiges Auswärts- und Ausweichtrikot ist eine gestalterische Katastrophe. Unter einer ästhetischen Betrachtung fallen dem Gestalter dermaßen viele Fehler auf, dass ich mir ehrlich nicht die Mühe machen möchte diese einzeln aufzuzeigen. Gestaltung ist eben nicht die willkürliche Anordnung von Farben und Formen, sondern verfolgt idealer Weise einen begründbaren Zweck; nämlich nicht nur schön auszusehen, sondern relevante Eigenschaften (bei einem Trikot wohl: Emotion, Leidenschaft, Stärke, Tradition, Zusammenhalte, usw.) zu transportieren. Mir kann gerne jemand diese beiden furchtbaren “Tribal-Elemente” verargumentieren, aber bitte nicht mit der hanebüchen “so eine Art Adlerkrallen”-Aussage aus dem Stadionmagazin.

Über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. Die Tatsache, dass das “zweiter Siegertrikot” schlichtweg oberflächlich und nichtssagen ist, kann man allerdings nicht dem Verein, sondern nur den Wählern ankreiden. Das sollte man fairer Weise auch mal sagen.

Quelle: Sämtliche Gestaltungen, die zur Wahl standen. Konkret ging es um die Variante 16 (erster Sieger) und der Variante 1 (zweiter Sieger).

6 Reaktionen zu “Schlechter Scherz.”

  1. paracuda

    Sei froh, dass nicht die 15 gewonnen hat … aber schon eine Sauerei.

  2. Mario A.

    Daran sieht man wieder einmal: Auch große Firmen (und Vereine) kochen nur mit Wasser.

    Hast du einen Entwurf eingereicht? Wäre ja eine Chance sich so zu beteiligen.

    Grüße!
    P.S.: Dein Xing Profil ist super. Was hab ich eben gelacht (waghalsige Fahrmanöver)!

  3. Niclas

    Hey Mario,
    ich habe natürlich KEINEN Vorschlag eingereicht. So wichtig ist mir diese Aktion dann doch nicht gewesen. Mich hat eher die Art und Weise geärgert … typisch Deutscher halt ;-)

    Zu Xing: Bist du schonmal mit mir Auto gefahren? ;-)

  4. Mario A.

    Zu Xing: Bist du schonmal mit mir Auto gefahren? ;-)

    Ich könnte mich nicht entsinnen. Aber alleine die Tatsache sowas ins Profil zu schreiben macht es amüsant :).

  5. wallertown

    Du als Grafik-Fachkraft weißt doch wie das läuft.
    Man macht 3 Vorschläge:
    - einen den man selbst gut findet
    - einen den der Kunde gut findet
    - einen zum Abschiessen

    Wenn man mit diesem Präsentationsmodell aber eine grafisch unbedarfte Zielgruppe bedient, kann das manchmal zu gruseligen Ergebnissen führen, weil der zum Abschuss gedachte Vorschlag “doch auch ganz schön” ist.

    Anders kann ich mir den 2. Sieger auch nicht erklären.

  6. Simon

    würd mich ja mal interessieren welches es geworden wäre wenn die 16 von vorneherein nicht zur Auswahl gestanden hätte…

    naja, der Imageschaden wird sich extern wohl auch in grenzen halten wenn die tollen premiere-experten bei jedem auswärtskick erwähnen dass das trikot ja ein ganz toller fanentwurf sei…ich wette die diskussion wird nicht einmal erwähnt.

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